Dinas Tagebuch

Nicht mal Fliegen ist schöner....

Deathly Hallows

Nur noch 177 Tage!
Dann erscheint der letzte Band dieses Magierschülers Harry Potter. Und ich kann es nicht glauben, ich habe vorgestern ein Exemplar bestellt. Also quasi 179 Tage im Voraus. Bin ich bescheuert?!?! Oder bekomme ich am Ende von der ersten Auflage schon keins mehr ab??!
Zugegeben, ich war nur im Buchladen, weil ich meinen bestellten Kalender endlich abholen wollte und fragte arglos, ob Frau Rowling den Erscheinungstermin 07.07.07 einzuhalten gedenkt.
Es war der Buchhändler, der mich dann davon überzeugt hat, doch "besser mal schon zu bestellen".
Na was soll's. Tatsächlich will ich Band 7 Deathly Hollows einigermaßen weit gelesen haben, ehe ich in den Feuilletons und Abendnachrichten erfahre, wie es ausgeht.

Zeit, mal mein Verhältnis zu Harry zu klären. Jahrelang habe ich mich strikt dagegen gewehrt: Als überzeugte Tolkienianerin weigerte ich mich, zu akzeptieren, es könnte eine bessere Geschichte geben, als die um den Ringkrieg.

Dann kam Ende 2005 irgendeiner der Filme im Fernsehen, uns war langweilig, also haben wir ihn laufen lassen. Ich fand den Film zwar mäßig (ich glaube, es war Teil 2), es reichte aber, um mir mal Band 1 Philosopher's Stone vorzunehmen (auf Englisch, damit es wenigstens ein bisschen anspruchsvoll wird).
Was soll ich sagen, ich hab mich durchgequält, kindisch, langweilig, die Kapitel unzusammenhängend und die ganze Story mit Gewalt in den Ablauf eines Schuljahres gepresst. Warum ich Band 2 Chamber of Secrets überhaupt begonnen habe, kann ich bis heute nicht erklären.

Dann endlich Band 3, Prisoner of Azkaban. Inhalte, die über das Hanni und Nanni Ambiente Burginternat hinausgingen! Auch wenn es auch in diesem Buch Längen gab und einige der Handlungslinien vorhersehbar waren (was ich objektiv gesehen gar nicht wirklich beurteilen kann, denn ich wußte einfach schon viel über die Vorkommnisse in den Büchern), packte es mich langsam.

Jetzt kam ich in Leserausch, dieses Verlangen, in jeder Sekunde weiterzulesen und gleichzeitig um das Buch herumzuschleichen, und es nicht anzupacken, damit es noch ein wenig länger hält. Band 4 Goblet of Fire und Band 5 Order of the Phoenix gingen nahtlos ineinander über und endlich hatte die Gesamtstory ihre wichtigen Zutaten, die zwar gerade im Fantasy-Bereich äußerst simpel sind, auf mich aber immer erfolgreich wirken:
Harry, der tragische Held, der gar keiner sein will und geachtet oder geneidet wird und immer glaubt, alles allein lösen zu müssen.
Der weise Beschützer und Berater, der größere Zusammenhänge aufweist.
Die Freunde des tragischen Helden, die auch nicht immer gut und lieb sind
Die Widersacher, die auch ihre guten Seiten haben
Handlungen, die über ein Buch hinaus vernetzt werden und Ereignisse und Gegenstände, die auf den ersten Blick belanglos waren und nun plötzlich an Bedeutung gewinnen.

Gerade der letzte Punkt ist interessant, bestreitet J.K. Rowling auf ihrer wunderschönen Webseite doch gar nicht erst, dass sie die ein oder andere Idee der Leser bzw. das, was sich aus deren Fragen ergibt, aufnimmt und verarbeitet. In der Hinsicht ist das Potter-Projekt äußerst interessant, ist doch nach wie vor unklar, inwieweit die Autorin bereit ist, Erwartungen ihrer Leser zu erfüllen oder zu enttäuschen. Sie kann die Richtung, die zum Beispiel die Dumbledore Fans vorgeben, aufnehmen oder genau das Gegenteil tun.

Dumbledore, einst größter unter den lebenden Zauberern - wurde er wirklich von Snape getötet oder wurde sein Tod nur vorgetäuscht?? Viele Fans im Netz glauben/ hoffen dies mittlerweile und es gibt einige Hinweise dafür. Die wichtigesten sind auf der Seite Beyond Hogwarts zusammengefasst.
Das Problem: Alle Annahmen basieren darauf, dass nichts zufällig in den Büchern so steht, wie es nachzulesen ist. Was aber, wenn solche Fäden gar nicht angelegt sind, sondern erst im Laufe des Schreibprozesses / der Auseinandersetzung mit den Fans entstehen? Was für eine Macht......

Was soll ich sagen, Band 5 war mit Abstand mein Favorit und hatte alle Zutaten eines perfekten Bogens, konspirative Zirkel mit absichtlichen und unabsichtlichen Unterminierungen, wechselnde Persönlichkeiten und einen großartigen Showdown.
Zwangsläufig fand ich Band 6 eher lahm, es war wie ein großes Luftholen vor dem letzten Vorhang, und - entweder weil ich mittlerweile stärker drauf achtete, oder weil es tatsächlich so ist - nun haufenweise lose Enden, die es im letzten Buch noch alle zusammenzuknüpfen gilt.

Vielleicht sollte ich mir Urlaub nehmen. Die Erwartungen sind jedenfalls hoch. Also meine zumindest.

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