Dinas Tagebuch

Nicht mal Fliegen ist schöner....

Warum ich gegen die Frauenquote bin...

(Gedacht als Kommentar zu diesem Artikel: Quotenfrauen - und dann etwas länger geworden)

Gleich mal vorweg: Ich bin zwar tatsächlich gegen die Frauenquote, gleichzeitig aber der Meinung, dass wir in der Wirtschaft einen Punkt erreicht haben, an dem es immer noch besser ist, sie einzuführen als zu weiter zu machen wie bisher und zu hoffen, dass sich von allein etwas ändert. Das wird es nämlich nicht.

Wenn ich aber zu entscheiden hätte, würde ich lieber das Problem an der Wurzel packen, anstatt an den Symptomen herumdoktorn.

Viel sinniger als eine Frauenquote wäre es nämlich erst einmal, eine den Gegebenheiten in der Bevölkerung abgestimmte Rekrutierungsquote zu verlangen! Will sagen: Wenn ich eine Verteilung der Geschlechter von ca. 50% männlich /50% weiblich bei den für meine Position geeignete Kandidaten habe, dann muss ich auch dafür sorgen, dass sich dieser Verteilung entsprechend auch 50% männliche und 50% weibliche Bewerbungen bei mir eingehen.

Im zweiten Schritt kann ich dann in einem fairen, objektiven und nachvollziehbaren Auswahlprozess der Qualität der Bewerber entsprechend einstellen. Das Problem der Frauenquote unter meinen Mitarbeitern wäre in dem Moment vermutlich keines mehr.

Anders herum: Wenn ich unter 100% Hochschulabsolventen nur 5% Frauen habe, meine Rekrutierung soweit optimiert habe, dass in den Bewerbungen auch mindestens ein Anteil von 5% Frauen repräsentiert ist, dann kann ich – wiederum unter optimierten Auswahlbedingungen – von gerade eben diesem Unternehmen nicht verlangen, dass es mehr als 5% Frauen einstellt, denn den Gesetzmäßigkeiten der Statistik folgend wäre es schon eher unwahrscheinlich, dass ausgerechnet 100% der 5% Frauen zu den Besten gehören.

Und das Unternehmen nun einmal die Besten einstellen möchten, ist ihnen kaum vorzuwerfen.

(Interessant ist es natürlich, sich Unternehmen anzusehen, deren Frauenanteil (und damit vermutlich auch Rekrutierungsanteil) über dem in der entsprechenden Kandidatengruppe liegt. Aber das ist ein anders Thema.)

Noch absurder wäre es sogar, in bestimmten Sparten eine Frauenquote zu verlangen, wenn der tatsächliche Anteil der Kandidatinnen unter der geforderten zu erfüllenden Quote liegt. Wie soll ein Unternehmen eine solche Quote erfüllen? (indem es die männlichen Chemiker im Labor einstellt und die Sekretärinnen für das Büro?)

Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Annahme eines fairen, objektiven und nachvollziehbaren Auswahlprozesses nicht so utopisch, wie sie auf den ersten Blick klingt. Gerade in größeren Unternehmen gibt es gute Fachleute, die diese Anforderungen inzwischen erkannt haben und umsetzen und gerade solche Unternehmen sind in den letzten 5-10 Jahren auch dazu übergegangen, Diversity- oder Gender Management (die häufig weit über die Aufgaben der „Gleichstellung“ hinausgehen) einzuführen und beispielsweise Statistiken über Hochschulabsolventen einem entsprechend abgestimmten Personalmarketing zu Grunde legen.

5-10 Jahre sind noch keine lange Zeit für solch einen Prozess. Ich wäre an dieser Stelle also vorsichtig optimistisch dass, wenn man auch KMUs von der Notwendigkeit solcher Maßnahmen überzeugen könne, sich das Problem der Frauenquote tatsächlich irgendwann von selbst erledigt.


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Comments:

Christian Freitag, Februar 18, 2011 03:26 PM

Ich denke auch, dass man nicht einfach sagen kann, dass es 50% Frauen gibt und diese daher auch im gleichen Maße für Führungspositionen geeignet sein müssen.
Frauen haben andere Studienfachvorlieben und häufig auch eine andere Einstellung zu Karriere.

Dina Freitag, Februar 18, 2011 03:59 PM

Hallo Christian,
hm, jetzt mischst du aber einiges bunt durcheinander.
1. Richtig ist, dass ich erst einmal feststellte, dass es eine unterschiedliche Verteilung geben KÖNNTE und man diese Verteilung, wie auch immer diese aussieht, für eine Quote zugrunde legen sollte. Da es in der Regel keine Personal(such)maßnahmen für Vorstandspositionen gibt, bleibt die Frage, wie viele Frauen Interesse daran hätten, erst einmal völlig hypothetisch.
2. Ich halte Frauen absolut für im gleichen Maße geeignet. Alles was ich gesagt habe ist, dass es statistisch wenig wahrscheinlich ist, dass in einer Grundgesamtheit von 100% ausgerechnet auf die Teilmenge, auf die ein Merkmal zutrifft (weiblich) auch ein zweites Merkmal (beste) zutrifft, besonders dann, wenn diese Teilmenge stark unterrepräsentiert ist (5%).
Es sei denn, die Merkmale sind nicht unabhängig voneinander. Aber genau das ist hier nicht das Thema. Und die Bereitschaft dazu im Sinne von Einstellung zu Karriere erst recht nicht.

Patrick Freitag, Februar 18, 2011 07:46 PM

Na ja, aber wir haben ja sogar ein leichtes Übergewicht von Frauen bei Gymnasialabschlüssen, und je weiter hoch das geht, desto stärker nimmt das wieder ab – aus welchem Grund auch immer, das will ich hier nicht diskutieren. Die Absolventinnenquote ist, würde ich behaupten, in jedem Falle höher als die Quote der weiblich besetzten Führungspositionen in diesem Bereich.

Ich bin auch kein Freund der Frauenquote. Aber ein Befürworter. Der Grund ist einfach: man kann warten, das sich etwas von selbst verändert, aber das passiert meistens nur sehr langsam, wenn überhaupt – vor allem, wenn keine offensichtlichen Vorteile darin liegen, sich zu verändern. Man sehe sich nur an, wie lange manche Firmen gebraucht haben, ins Internet einzusteigen und wie dilettantisch sich manche da immer noch geben, und das Net ist nun wirklich eine große und profitable Veränderung.

Insofern halte ich es wie Adam Smith: manchmal muss der Staat den Markt einfach zu seinem Glück zwingen. Ob mit Dosenpfand, EEG-Umlage, Rußpartikelfiltern oder eben einer Frauenquote. Staatseingriffe sind meistens wenig elegant und brachial und nicht so zielgenau, wie man gerne hätte – aber es sind deshalb trotzdem erlaubte Steuerungen.

Dina Samstag, Februar 19, 2011 03:21 PM

Oh ja, d'accord :-)
Ganz so einfach ist das natürlich auch wiederum nicht, was ich hier geschildert habe. Denn natürlich würden uns keine Absolventenzahlen helfen, wenn wir über Vorstände sprechen, sehr wohl aber die Zahlen über arbeitende Männlein und Weiblein mit Berufserfahrung. Wie auch immer die liegen, ich bin sicher, sie werden erhoben und ich bin ebenso sicher, sie liegen über 2%
Aber es ist eine andere Herangehensweise. Und davon träume ich: Vielleicht, auch als Politiker, mal vorher jemanden fragen, der sich mit sowas auskennt. Die haben ein ganzes Amt dafür! Auf Basis der Zahlen und Fakten, dann mal eine Aussage treffen und eine Maßnahme ergreifen, die Hand und Fuß hat. Und nicht einfach was dahinwerfen, damit alle darüber herfallen können. ...

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