Dinas Tagebuch

Nicht mal Fliegen ist schöner....

Vegetarisches Essen ist geschmacklos.

Das meine ich nicht mehr als wörtlich.

Warum ist das so?

Bekommt man bei Verzicht auf Fleisch sensiblere Geschmacksnerven? Oder muss man als Vegetarier eine Grundeinstellung haben, die besagt, dass Essen primär der Nahrungsaufnahme dient und nur schmecken darf, wenn man gerade mal Glück hat?

Ich bin irgendwie enttäuscht. Eigentlich dachte ich, die Zeiten, in der vegetarische/ fleischlose Ernährung etwas für Hardcore-Ökos oder Idealisten sei, wären vorbei. Aber im Moment scheint es mir, es hat sich doch nicht so viel geändert.

Meine Hochachtung vor Menschen, die sich konsequent fleischlos oder vegetarisch ernähren, ist immens gewachsen.

Aber für mich heißt es wohl weiterhin fleischarme Ernährung und wenn Fleisch, dann welches, dass keine Tiertransporte, keine Massentierhaltung mit sich bringt und idealerweise biologisch ist (aka der Metzger unseres Vertrauens)

Der Hintergrund:

Seit einiger Zeit mehren sich in meiner Umgebung die Menschen, die bewusst vegetarisch essen. Ich habe mich ein wenig anstecken lassen und mir zum Ziel gesetzt, wenigstens auf Fleisch zu verzichten. Dabei spielt - ehrlich gesagt - der ökonomische Aspekt eine größere Rolle als der moralische. Ob man es gut findet, dass man Tiere tötet und isst, ist eine Sache. Mich hat die Tatsache zum Nachdenken gebracht, dass Mastvieh auch ernährt werden muss. Und Anbau von Nahrung für Tiere, das als Nahrung dient, ist in Zeiten zunehmender klimatischer Schwierigkeiten und sinkender Anbauflächen kritisch. Gerade erst wurde davor gewarnt, dass vor dem Hintergrund der großen Hungersnot am Horn von Afrika bei zunehmender Nahrungsmittelknappheit der Weltfrieden bedroht sein könnte.


Im Selbstexperiment, das ich inzwischen als gescheitert bezeichnen muss, habe ich dann auf Soja, Tofu & Co. zurückgegriffen. Ein kurzes Resümee: Es schmeckt einfach nach nichts! Warum ist das so? Ich habe mal gelernt, Fett sei der Geschmacksträger. Warum kann ein vegetarisches Würstchen nicht Fett beinhalten und gewürzt werden, und zwar kräftig?? Es hat die Konsistenz einer Frikandell, was ich nicht übermäßig prickelnd finde, womit ich aber leben könnte. Aber mal ehrlich, Esspapier hat mehr Geschmack.

Wir sind chemisch-biologisch-technisch doch inzwischen soweit, dass ich der Meinung bin, vegetarisches Essen muss nicht an gestrickten Ökopulli und ungebleichtes Hanfunterhemd erinnern.

Hier regt sich Hagen Rether darüber auf, dass Fleischesser argumentieren, dass Fleisch ihnen schmeckt. Er hat recht. Aber nur, weil das ein doofer Grund ist, Fleisch zu essen, warum muss ein Vegetarier auf Geschmack verzichten? Oder warum gibt keinen adäquaten Ersatz, der schmeckt?


Eine für mich gute Aussicht ist die Entwicklung künstlichen Fleisches, das ausgerechnet in meiner Testphase im Süddeutsche Zeitung Magazin besprochen wurde. Ich würde das kaufen, sofort und ohne Bedenken. Bis dahin versuche ich es mit Reduktion. Immerhin liegt der Fleischkonsum unseres Haushaltes unter dem des WELTbevölkerungsdurchschnittes. Das ist immerhin auch schon was. Und mehr von solchen Bildern wie auf dem Cover des SZ Magazin und mir vergeht der Appetit von ganz allein...

Comments:

Oliver Dienstag, September 06, 2011 01:10 PM

Heikles Thema. Vielleicht is das so, vielleicht aber wird der Geschmackssinn eines Vegetariers durch andauernde Abwesendheit tierischer Fette ja auch sensibler. In ähnlicher Manier wie kaffeetrinkende Raucher auch behaupten könnten, schwarzer Tee schmecke nach nichts.

Ich selbst wähne mich in derselben Liga wie du: Die mit massivem Ressourcenaufwand betriebene Massenviehzucht ist ein echtes, globales Problem, aber mehr als eine gesunde Reduzierung des Konsums sowie das Bilden eines Qualitätsbewusstseins ist meines Erachtens nicht drin, weder für mich privat noch auf globaler Ebene.

Ingo Donnerstag, Januar 05, 2012 12:13 PM

Mahlzeit :)

Vegetarisch essen heisst ja nicht, nur noch Tofu-Frikadellen zu schaufeln oder Hefeextrakt-Bomben mit der Aufschrift "schmeckt wie echte Leberwurst" zu kaufen.
Wer vegetarisch essen möchte, und zwar gut, muss nicht substituieren, sondern einfach anders kochen/einkaufen.
Bin selbst ja kein Hardcore-Vegetarier, wie Du weisst. Ich sehe das so ähnlich wie Oliver und Du, neben den gesundheitlichen Aspekten von zu viel Fleischverzehr.
Ich selbst bin mit drei bis vier Kochbüchern ins vegetarische gestartet... 2 davon sind aus der indischen Küche. Hier wird, wie erwartet, mit viel Gewürzen hantiert, und das lohnt sich.
Falls Du da einen Tipp haben möchtest, kann ich Dir mal die URL (z.B. von Amazon) posten.

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